| Fledermaus-Kritik aus der OTZ vom 11.07.2008 |
Inszenierung mit viel SpielwitzRezensiert - „Die Fledermaus" an der Universität - Aufführungen noch bis zum SonntagVon Dr. Dietmer EbertWährend der Karevalszeit dieses Jahres wurde „Die Fledermaus“ von Johann Strauss dreimal konzertant durch Solisten der Weimarer Hochschule und die Jenaer Philharmonie konzertant aufgeführt. Im Innenhof des Universitätshauptgebäudes können wir unter der inspirierten Leitung von Sebastian Krahnert nun eine schwungvolle, mit viel Spielwitz und Situationskomik gewürzte Aufführung (Regie: Patrick Rohbeck) erleben. Rohbeck verlegte die Handlung aus dem Wien der Gründerzeit in ein ungefähres „Hier und Heute"; er zeigte das Spiel der „Rache einer Fledermaus" als überzeitliche Musikkomödie, in der mit Lust und Freude am Spiel verführt, belogen, betrogen, gezürnt und verziehen wird. Das hat den großen Vorteil, nicht historisieren zu müssen, Sozial- und Kulturkritik können direkt in die Gegenwart gelenkt werden, und es ist niemand aus dem jungen, spielfreudigen Ensemble gezwungen, Wiener Dialekt zu sprechen, ohne es wirklich zu können. Doch auch als überzeitliche Musikkomödie trägt die „Fledermaus" die Signatur von Enstehungsort und -zeit. Die Musik von Johann Strauss verrät das mit jedem Ton, vor allem, wenn der Walzer, der Rock'n Roll des 19. Jahrhunderts, die Tanzenden in Rausch, Taumel und Ekstase versetzt. So ist es auch in der "Fledermaus", z.B., wenn Dr. Falke eine große Bruderschaft beschwört, sehen wir ein Tableau, in dem sich die Paare gefunden haben und jede(r) die günstige Gelegenheit nutzt. Walzer und Champagner haben es verschuldet, in der „Fledermaus" gibt es ein versöhnliches Finale auf brüchigem Boden. Patrick Rohbeck, der kurzfristig selbst als Dr. Falke eingesprungen war, hat eine jugendfrische, durch starke Bilder überzeugende und viel Spielwitz versprühende Inszenierung geschaffen. Das gut disponierte Solistenensemble wurde von den Universitätschören Jena und Erfurt unterstützt. Sebastian Krahnert sorgte für einen exakten Zusammenklang zwischen Bühne und Orchester. Unter seiner Leitung musizierte die Akademische Orchestervereinigung Johann Strauss’ Musik schwungvoll und heiter. Besonderen Glanz vorliehen der Aufführung Mariola Jupé als Adele, die mit bezaubernden Koloraturen begeisterte und Annekathrin Laabs, die mit vollem Mezzosopran und russischen Einlagen den Prinzen Orlofsky verkörperte. Die stark erkältete Jana Reiner konnte lediglich spielen und die Dialoge sprechen, während die südkoreanische Sopranistin Hellen Cho (Opernstudio des DNT Weimar) vom Blatt sang und so auf ungewöhnliche Weise ihr Rollendebüt als Rosalinde gab. Hellen Cho, diesen Namen sollten sich Musikfreunde unbedingt merken. Vorbildlich die klare Diktion und die stimmliche Gestaltungskraft, selbst beim schwierigen Csaradas. Hellen Cho hat durch kurzfristiges Einspringen den Abend gerettet. Wie ihr junger, blühender Sopran mit Jana Reiners Spiel verschmolzen ist, das war das besondere Ereignis des Abends. Die nächsten Vorstellungen finden am 11., 12. und 13. Juli, jeweils 20.30 Uhr im Innenhof der Universität statt. |
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| Letzte Aktualisierung ( Sunday, 16. November 2008 ) |